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Sachbuch
von Martina Kayser
und Paul-Albert Wagemann
Ch. Links
Verlag, 1. Aufl. 1991, 2. Aufl. 1993
208 Seiten, 12,80 Euro
ISBN 386153018X
(Vergriffen)
W. Heyne Verlag, 1. Aufl.
1996, 2. Aufl. 1998
(Vergriffen)
Polnische Ausgabe:
Uczylismy w szkole Waldorfskiej o historii i praktyce pewnej
pedagogicznej utopii
Wydawnictwa Szkolne i Pedagogiczne,
Warszawa 1998, ISBN 83-02-06946-9 |
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Textauszug aus dem
Kapitel Totalitäre
Merkmale,
S. 154
(Ausgabe Ch. Links Verlag)
Der
Einheitscharakter der Waldorfschule zeigt sich nicht nur in der zwar
ungewöhnlichen, aber dennoch stereotypen Architektur, sondern auch in
den Farb-, Organisations-, Handelns-, ja sogar Denk- und
Argumentationsmustern. Deutlich erkennbar sind stets auch die
künstlerischen und handwerklichen Produkte. Wer einmal Bilder gesehen
hat, die unter waldorfpädagogischer Anleitung entstanden sind,
Schnitzwerke usw., wird sie unter anderen immer wieder erkennen. Zu
sagen, sie glichen sich zum Verwechseln, wäre übertrieben, aber „wie sie
gestrickt sind“, läßt sich auf Anhieb erkennen.
Das
Waldorf-Paradigma scheint nur die gleiche Waldorfwelt einschließlich
der in ihr erzeugten Produkte hervorbringen zu können, wo immer diese
entstehen mögen: ob in Deutschland, Schweden, Neuseeland oder anderswo.
Insofern widerspricht der Einheitscharakter gerade auch des
künstlerischen Unterrichts der zu Werbezwecken aufgestellten
Behauptung, die Individualität jedes Schülers werde mehr gefördert
als in anderen Schulen. Es ist vielmehr zu fragen, ob jemand, der
während seiner gesamten Schulzeit waldorfspezifische Bilder gemalt hat,
später noch zu seinem eigenen Ausdruck kommen kann.
Was
für alle stark ideologisierten Erziehungssysteme charakteristisch ist,
gilt auch für die Waldorfschule: die intensive Zusammenarbeit mit dem
Elternhaus, insbesondere der Versuch, über die Eltern auf das Kind im
Sinne der Schule einzuwirken, in weltanschaulicher Hinsicht möglichst an
einem Strang zu ziehen. Dies nimmt, abgesehen von regelmäßig
stattfindenden Elternabenden und Elterngesprächen mit dem Klassenlehrer,
vor allem die Form von „Fortbildungsangeboten“ an. Kinder von Eltern,
die sich zu einer solchen Zusammenarbeit nicht von vorneherein bereit
erklären, nimmt die Waldorfschule nicht an. Sehen sich Eltern gegenüber
der Staatsschule in den meisten Fällen als Anwalt ihres Kindes, haben
sie aufgrund ihrer eigenen Schulerfahrung in der Regel das Gefühl,
mitreden zu können, so werden sie an der Waldorfschule aufgrund des
besonderen pädagogischen Konzeptes leicht in die Rolle von
Erziehungsgehilfen der Schule gedrängt und sehen sich Experten
gegenüber, denen sie aus Mangel an Wissen um Rudolf Steiners
Menschenkunde meist nur zustimmen können. |
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